Film des Monats: Februar 2026

Souleymans Geschichte (L'Histoire de Souleymane)
Regie: Boris Lojkine
Drehbuch: Boris Lojkine, Delphine Agut
Frankreich 2024

Zwei Tage hat Souleymane noch Zeit, sich auf das entscheidende Gespräch bei der Asylbehörde vorzubereiten. Dort fällt die Entscheidung, ob der junge Mann aus Guinea in Frankreich bleiben kann. Der Film beschreibt die 48 Stunden vor der Anhörung. Die Kamera bleibt nah an ihrer Hauptfigur. Der Druck, unter dem Souleymane steht, wird für den Zuschauer fast körperlich spürbar. Er arbeitet – illegal – als Essensauslieferer, rast auf dem Fahrrad bei Wind und Wetter durch die Straßen von Paris und memoriert dabei immer wieder die Geschichte, die er der Asylbehörde erzählen soll. So zumindest hat Barry es ihm gesagt. Letzterer ist ein Westafrikaner, der mit diesen Beratungen sein Geld verdient. Aber es ist nicht Souleymanes eigene Geschichte, die der junge Asylbewerber da auswendig lernt. Nach und nach offenbaren sich Bruchstücke seines bisherigen Lebens: eine Liebesbeziehung zu einer Frau in seiner Heimat, die er zurückgelassen hat, und eine Mutter, die krank ist. Zum Schlafen ist Soulemane auf die Obdachlosenunterkünfte außerhalb der Stadt angewiesen. Allein um den Bus pünktlich zu erreichen, der ihn spätabends dorthin bringt, muss er sich anstrengen. Zwischen all den aufreibenden Anforderungen gibt es nur kurze Momente der Aufmerksamkeit anderer, einen Kaffee, ein Bonbon, ein empfundener Dank. Souleymane will nicht lügen. Ohne zu tricksen, hat er jedoch keine Chance, in der neuen Umgebung zurechtzukommen.

Der Film zeigt die Härte der sogenannten Gig-Economy exemplarisch am Geschäft der Lieferdienste. Ein System, das die Ausgebeuteten zu ihren eigenen Agenten macht, eine Not, von der die westliche Gesellschaft profitiert. Trotz der Nähe zu Souleyman ist die Inszenierung fast dokumentarisch. Die überragende schauspielerische Leistung des Laiendarstellers Abou Sangare ist eindrücklich. Die Anhörung selbst wirkt am Ende fast wie eine Katharsis und stellt die Maßstäbe der juristischen Beurteilung in den Zusammenhang menschlicher, universaler Beweggründe. Der Film ist ein Plädoyer für Humanität gegenüber Menschen, die an den Rändern der Großstadt um ihre Existenz und ihren Aufenthaltsstatus ringen.

Webtrailer
Film-Credits
Frankreich 2024
Produzent:
Dimitri Lykaviers, Bruno Nahon – Unité
Regie:
Boris Lojkine
Drehbuch:
Boris Lojkine, Delphine Agut
Kamera:
Tristan Galand
Schnitt:
Xavier Sirven
Musik:
Marc-Olivier Brullé, Pierre Bariaud, Charlotte Butrak, Samuel Aïchon
Darsteller:
Abou Sangaré, Nina Meurisse, Alpha Oumar Sow, Emmanuel Yovanie, Younoussa Diallo, Ghislain Mahan, Mamadou Barry, Yaya Diallo, Keita Diallo
Format:
DCP, OmU-Fassung, 93 Minuten
Verleih:
Film Kino Text
Beueler Str. 50, Bonn Tel.:0049 0228 420767, Fax: 0049 0228 97 37 533 , juergen.luetz@filmkinotext.de, www.filmkinotext.de
Preise:
Cannes 2024: Un Certain Regard – Bester Schauspieler (Abou Sangaré), Preis der Jury, Fipresci-Preis; 2024 European Film: Awards Bester Schauspieler (Abou Sangaré), Bester Ton; César Awards 2025: Bester Nachwuchsdarsteller: Abou Sangaré, Bester Schnitt (Xavier Sirven), Bestes Originaldrehbuch (Boris Lojkine und Delphine Agut), Beste Nebendarstellerin (Nina Meurisse); Gotham Awards New York 2025: Bester Nachwuchsdarsteller: Abou Sangaré
Kinostart:
19.02.2026