Film des Monats: April 2022

Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen? (Ras vkhedavt, rodesac cas vukurebt?)
Regie: Alexandre Koberidze
Drehbuch: Alexandre Koberidze
Georgien/Deutschland 2021

Es war einmal in der Stadt Kutaissi in Georgien. Morgens auf dem Weg zur Arbeit begegnen sich die Apothekerin und Medizinstudentin Lisa (Oliko Barbakadse) und der Profi-Fußballer Giorgi (Giorgi Ambroladse), und abends auf dem Heimweg gleich nochmal. Das kann kein Zufall sein! Sie verabreden sich für den nächsten Abend zu einem Date im Straßencafé, aber dann trifft sie über Nacht ein Fluch: Am Morgen erwachen beide mit verändertem Aussehen – und können sich nicht mehr erkennen. Wochenlang suchen sie einander, während sich Kutaissi auf die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft vorbereitet. Kneipenwirte stellen Leinwände auf, selbst die Hunde suchen und finden ein gutes Plätzchen für sich. Aber Lisa und Giorgi (jetzt gespielt von Ani Karseladse und Giorgi Bochorishvili) müssen sich völlig neu orientieren. Gibt es für sie ein Happy End?

 

In epischer Länge – der Film dauert 150 Minuten – erzählt der 1984 in Tiflis geborene Regisseur Alexandre Koberidse ein Kinomärchen über Liebe und Sehnsucht. Seine Figuren sprechen nur wenig, das Drama spielt sich ganz in ihrem Inneren ab. Und wie im Märchen üblich ist es ein allwissender Erzähler, der den Zuschauer*innen das Geschehen nahebringt. Bei vielen musikalisch unterlegten Szenen fühlt man sich zuweilen in die Stummfilmära zurückversetzt. Und auch die großartigen Bilder von Kameramann Faraz Fesharaki tragen dazu bei, dass der Film einen regelrechten Sog entwickelt. Hier werden inhaltlich wie formal die Möglichkeiten der Kunstform Kino ausgespielt.

 

Alexandre Koberidse hat den Film, für den er auch das Drehbuch geschrieben hat, als Abschlussarbeit für die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin gedreht. Er bringt den deutschen Zuschauer*innen darin auch das Alltagsleben in Georgien näher, einem ehemals zur Sowjetunion gehörenden Land im Südkaukasus, das ähnlich wie andere ehemalige Sowjetrepubliken von häufigen Regierungskrisen geplagt ist und keinen leichten Weg zu einem von Russland unabhängigen, souveränen demokratischen Staat geht.

Als Download (PDF):
Webtrailer
Film-Credits
Georgien/Deutschland 2021
Produzent:
Mariam Shatberashvili, Anna Dziapshipa, Ketevan Kipiani, Luise Hauschild
Regie:
Alexandre Koberidze
Drehbuch:
Alexandre Koberidze
Kamera:
Faraz Fesharaki
Schnitt:
Alexandre Koberidze
Musik:
Giorgi Koberidze
Darsteller:
Giorgi Bochorishvili, Ani Karseladze, Oliko Barbakadze, Giorgi Ambroladze, Vakhtang Fanchulidze u. a.
Format:
DCP, Farbe, georgische OmU-Fassung, 150 Minuten
Verleih:
Grandfilm
Muggenhofer Str. 132d, Bau 74, 90429 Nürnberg, Tel.:+49 0911 810 96 671, verleih@grandfilm.de, www.grandfilm.de
Preise:
71. Berlinale - Internationaler Wettbewerb (Weltpremiere) und FIPRESCI-Preis (2021); Chicago International Film Festival - Silver Hugo – Best Screenplay (2021); Sevilla European Film Festival - Best Cinematography (2021); Pingyao Crouching Tiger, Hidden Dragon International Film Festival - Roberto Rossellini Award (2021); BFI/Sight & Sound Poll – Platz 7 50 Best Movies of 2021
FSK:
Ohne Altersbeschränkung freigegeben
Kinostart:
07.04.2021